SOS Rassehund

 

Aus genetischer Sicht hat bei pessimistischer Betrachtungsweise die Rassehundezucht,
wie sie
heute betrieben wird, keine Zukunft.
(Prof. Sommerfeld-Stur, Der Hund 5/1994)

 

Gundlegendes zur dramatischen Situation der Rassehundezucht:

  • das aktuelle "Hundezucht-System" krankt und ist in vielen Bereichen stark reformbedürftig! 
  • der "Ausstellungszirkus" bestimmt das Zuchtgeschehen, d.h. primäre Selektion auf das äußere Erscheinungsbild (Championzucht)
  • Übertreibung von "Schönheitsidealen", die im Gegensatz zur Gesunderhaltung und Fitness stehen (Kurzköpfigkeit, Faltenbildung, Haarlosigkeit, hängende Augenlieder, zu große/schwere bzw. zu kleine Hunde usw.) > Qualzucht
  • Rassereinheitsfanatismus und der Ausstellungs-Zirkus sind unter dem Strich für unsere Hunde und deren Gesundheit nachteilig
  • der Rassehund ist ein "Pechvogel", denn zur Zeit des Beginns der Reinzucht von Rassehunden vor rund 150 Jahren waren populationsgenetische Erkenntnisse (um 1920, Fischer, Haldane, Wright) nicht vorhanden. Auch heute noch werden wissenschaftl. Erkenntnisse der Populationsgenetik kaum berücksichtigt
  • (fast) alle Rassehunde gehen auf nur wenige Gründertiere (Founders) zurück 
  • viele Rassehunde gingen insbes. in den Weltkriegen durch einen genetischen Flaschenhals, was zu einer weiteren genetischen Verarmung führte (oftmals baute die Zucht auf nur einer handvoll Tiere auf!)
  • das rassetypische Aussehen wurde/wird durch Inzest und Inzucht gefestigt, mit all seinen negativen Folgen in Bezug auf die Gesundheit 
  • genetisch bedingte Erkrankungen nehmen rasant zu , viele Rassen leiden bereits unter Inzuchtdepression (sinkende Fruchtbarkeit, sinkende Lebenserwartung, Zunahme von Erbkrankheiten...)
  • dramatisch zunehmende Zahl von Gendefekten und Erbkrankheiten (ca. 500 versch. Erbkrankheiten treten beim Hund auf, Tendenz steigend). Vor allem die Häufigkeit des Auftretens einzelner Defekte innerhalb einer Rasse ist alarmierend!
  • die einflussreichste Hundezuchtvereinigung und das "Mutterland" der Rassehundezucht (Englischer Kennel Club) startet die Kampagne "Fit For Function: Fit For Life" - mit seinen Leitzielen "to see, breathe and walk freely" soll eine Wende eingeleitet werden. Das Ziel der Kampagne, wonach Hunde wieder sehen, atmen und laufen können sollen,  zeigt sehr deutlich, dass sich die Rassehundezucht in den vergangenen Jahrzehnten auf falschem Weg befunden hat.

 

Für viele Rassen ist es bereits 5 vor 12! Es muss zum Wohle der Hunde zu einem radikalen Umdenken kommen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen müssen endlich in der Zuchtpraxis umgesetzt werden. Da leider sehr viele Züchter und Zuchtvereine nicht bereit sind entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ist eventuell nur ein hinreichend konkretes Tierschutzgesetz (welches dem Staatsziel Tierschutz endlich gerecht werden sollte) und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zielführend.