Das Zuchtkonzept wird von der Kynologischen Zuchtgemeinschaft ProCross e.V. betreut
ProCross auf einen Blick:
Zuchtziel: der genetisch vielfältige, vitale, gesunde, langlebige & wesensfeste Hund
- gesunde und wesensfeste Zuchthunde
- Erhöhung der genetischen Vielfalt & Kreuzungsvitalität (Heterosis)
- sorgfältig geplante Paarungskombinationen
- Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Fachtierärzten
- Abkehr von Reinrassigkeitsfanatismus, "Schönheitszucht" und Inzucht-Praktiken
Aus genetischer Sicht hat bei pessimistischer Betrachtungsweise die
Rassehundezucht, wie sie heute betrieben wird, keine Zukunft.
(Prof. Dr. Sommerfeld-Stur - Veterinärgenetikerin)
Die herkömmliche Rassehundezucht wird seit langer Zeit von Fachtierärzten, Genetikern und Tierschützern kritisiert. Angewandte Zuchtpraktiken und angestrebte Ideale stehen nicht selten dem wichtigsten Zuchtziel, nämlich der Zucht von physisch und psychisch gesunden Hunden, entgegen. Obwohl die wissenschaftlichen Erkenntnisse schon seit Jahrzehnten vorliegen, werden sie häufig von den Vereinen und Züchtern ignoriert.
Wir von ProCross stehen für Kompetenz, Offenheit und Transparenz in der Hundezucht. Unser Verein hat die Leitlinien und Grundsätze moderner, tierschutzethischer und kynologisch versierter Hundezucht klar definiert und in den Regelwerken verankert. ProCross hat es sich zur Pflicht gemacht, den Rat von Wissenschaftlern und Fachtierärzten konsequent in der Zuchtpraxis umzusetzen.
Kreuzungsvitalität und genetische Vielfalt
Die ProCross-Zuchtmethoden profitieren vom sog. Heterosiseffekt (Kreuzungsvitalität), wodurch die Nachkommen eine verbesserte Fitness und Vitalität (Krankheitsresistenz, Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit, Fruchtbarkeit) aufweisen. Dieser Effekt wird im Rahmen der gezielten Kreuzungszucht durch die genetische Durchmischung erzielt – die Nachkommen sind im Gegensatz zu reinrassigen Hunden mischerbig (heterozygot). Diese erhöhte Mischerbigkeit (Heterozygotie) hat beispielsweise auch positive Auswirkungen auf die MHC-Gene, welche für ein intaktes Immunsystem verantwortlich sind. Zu den Zuchtmethoden gehören beispielsweise: Hybridzucht, Veredelungs-/ Rotationskreuzung.
Das Gegenteil von Heterosis ist Inzuchtdepression (nachlassende Vitalität / Fitness, sinkende Lebenserwartung)... ein typisches Problem bei der strikten Reinzucht von Rassehunden. Die genetische Verarmung wird von Genetikern als eines der Hauptprobleme der Rassehundezucht angesehen.
Leider ist die herkömmliche Rassehundezucht geradezu von Reinrassigkeitsfanatismus geprägt. Dabei ist man erst seit einigen Jahrzehnten dazu übergegangen, Rassen genetisch voneinander isoliert und ohne Blutauffrischung "rein" zu züchten. Diese Reinzuchtideologie entstand erst nach der Etablierung von Hundeshows... die Züchter strebten eine ständige Typverbesserung und Typfestigung an. Man schloss die Zuchtbücher (ließ also kein frisches Blut mehr zu) und nutzte Inzucht-Praktiken, um dem "Schönheitsideal" möglichst nah zu kommen - an diesem unnatürlichen Zuchtsystem hat sich in der herkömmlichen Rassehundezucht, trotz umfangreicher Erkenntnisse der Populationsgenetik, bis heute kaum etwas geändert. Die Folgen verspüren viele Rassen heute mehr denn je.
Gesunde und sozialverträgliche Zuchthunde
In unserem Verein darf ein Hund erst dann zur Zucht eingesetzt werden, wenn er verschiedene Voraussetzungen erfüllt. Dadurch soll gewährleistet werden, dass nur mit gesunden und sozialverträglichen Hunden gezüchtet wird. Mit der "Erb-Vital-Untersuchung" verfügt ProCross über ein Gesundheitsmanagement für den vitalen & erbgesunden Hund. Wir gehen damit über die "üblichen" Untersuchungen, wie HD-Röntgen, hinaus und betrachten den Hund als Ganzes.
Passende und sorgfältig geplante Paarungskombinationen
Wir bleiben nicht bei den Gesundheitsuntersuchungen einzelner Zuchthunde stehen, sondern achten darüber hinaus auf passende Paarungskombinationen. Jede Verpaarung muss von der Zuchtkommission genehmigt werden.
Anzahl der Würfe eines Rüden
Eine Decksprung-Limitierung für Rüden ist äußerst sinnvoll. In der Realität zeigt es sich immer wieder, dass sich viele Züchter auf den ein und selben Rüden stürzen (z.B. Champion-Rüde). Dieser sogenannte "popular sire effect" verstärkt eine genetische Verarmung. Die Limitierung des Deckeinsatzes soll weiterhin verhindern, dass Rüden, deren Erbpotential noch nicht an der Nachzucht überprüft wurde, von Beginn an überhäuft eingesetzt werden und mögliche Erbdefekte in großem Umfang bei den Nachkommen streuen.
Anzahl der Würfe einer Hündin
Eine Hündin darf nur belegt werden, wenn sie sich in guter körperlicher Verfassung befindet. Die Zuchthündinnen in unserem Verein sind keine Gebärmaschinen. In der Regel ziehen sie max. 4 Würfe groß. Nur in besonderen Ausnahmefällen und mit bestimmten Auflagen (Untersuchung in einer Veterinär-Uni-Klinik) wird ein fünfter Wurf genehmigt.
Zuchtalter
Selbstverständlich ist in unserem Verein sowohl für Rüden als auch für Hündinnen ein Mindestalter für den ersten Zuchteinsatz vorgeschrieben. Zum Höchstalter der Zuchthunde: aus populationsgenetischer Sicht gibt es kein Höchstalter. Im Gegenteil: je älter ein Hund ist, desto mehr weiß man über ihn. Gerade in Bezug auf Krankheiten mit Manifestation im späteren Lebensalter ist ein älterer gesunder Zuchtrüde (bzw. Zuchthündin) als wertvoll für die Zucht zu betrachten. D.h., dass es zumindest für Rüden keine Höchstgrenze gibt. Ein erstrebenswerter Ansatz ist, dass Vater und Mutter in der Summe mindestens 8 Jahre alt sein sollten.
Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Fachtierärzten
Gemäß unserer Vereinsphilosophie verbinden wir konsequent Zuchtpraxis und Wissenschaft. In unseren Ordnungswerken haben wir uns dazu verpflichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen. Wir sind stolz darauf, dass uns renommierte Fachtierärzte und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten bei allen züchterischen Fragen zur Seite stehen! Mit deren Unterstützung konnte ein wissenschaftlich fundiertes Zuchtkonzept entworfen werden.
Datenbank & Nachzuchtkontrolle
Unser Verein führt eine komplexe Datensammlung über alle eingetragenen Hunde. Wir sehen uns in der Verantwortung, Daten (Abstammung, Nachkommen, Gesundheitsergebnisse, erreichtes Lebensalter/ Todesursache etc.) zu sammeln, um diese in Zusammenarbeit mit unserem wissenschaftlichen Beirat zu analysieren. Auf diese Weise können schließlich gezielte Zuchtmaßnahmen zur Bekämpfung möglicher erblicher Defekte eingeleitet werden.
Ein züchterischer Fortschritt kann jedoch nur erzielt werden, wenn die entsprechenden Daten an den Verein weitergeleitet werden. Eine gewisse Verantwortung liegt damit auch bei den Welpenkäufern, denn nur wenn wir entsprechende Daten zur Verfügung haben, kann eine korrekte und aussagekräftige Antwort auf eventuelle gesundheitliche Probleme gegeben werden.
Weniger Erbkrankheiten - Prophylaxe statt Symptombehandlung
Die herkömmliche Rassehundezucht scheint immer häufiger Symptombehandlung betreiben zu müssen. Das gipfelt beispielsweise in einer solch pervertierten Art und Weise, dass Tierärzte durch chirurgische Eingriffe kurzschnäuzige Rassen (wie die Bulldogge) wieder "herrichten" müssen, sodass sie frei atmen können. Derartige rein Mensch-gemachte Probleme finden sich auch in anderen Bereichen der Rassehundezucht. So bietet die Zucht in genetisch isolierten Populationen (Reinzucht) beste Grundlagen zur rasanten Verbreitung von (rezessiven) Defektgenen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Erbdefekt bei den Nachkommen ausbricht wird umso wahrscheinlicher, je näher verwandt die Elterntiere miteinander sind. Dieses Problem stellt sich bei der Reinzucht von Rassehunden zwangsläufig, zumal sie alle in geschlossener Population gezüchtet werden und folglich alle Hunde einer Rasse mehr oder weniger eng miteinander verwandt sind. Völlig anders verhält es sich bei dem ProCross-Konzept. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich rezessive Defektgene kombinieren ist wesentlich geringer (v.a. in der Hybridzucht). Erbkrankheiten treten daher weitaus seltener auf.
Vorhersagbarkeit
Wir sind kein Zuchtverein, der den "Einheits-Rassehund" liefert. Unser Name ist Programm: ProCross achtet auf eine gute genetische Vielfalt, weswegen es in unserem Verein (im Gegensatz zur strikten Reinzucht) auch keine einheitlichen "genetische Monokulturen" gibt. Je nach Zuchtmethode kann es in einzelnen Würfen zu einer mehr oder weniger starken Mischerbigkeit kommen.
Gemäß der ersten Mendelschen Regel (Uniformitätsregel) sind die Nachkommen aus 2 verschiedenen Rassen weitgehend gleich (homogen / uniform). Wenn die Kreuzungsnachkommen jedoch für die Zucht eingesetzt werden, tritt die zweite Mendelsche Regel ein, die sog. Spaltungsregel. Wie der Name schon sagt, kommt es dabei zu einer Aufspaltung der Merkmale bei den Nachkommen, sowohl im Genotyp als auch im Phänotyp. Aber auch in solchen Fällen lassen sich Typ & Wesen der Nachkommen von den Vorfahren ableiten (v.a. wenn ein Elternteil reinrassig ist), eben mit einer gewissen Vielfalt & Streuung innerhalb eines Wurfes.
Bei der Veredelungskreuzung bleiben die Rassemerkmale aufgrund der Rückzüchtung erhalten.
Züchterkompetenz
Die Züchter unseres Vereins unterwerfen sich kynologisch sinnvollen Bestimmungen und Kontrollen. Sie ziehen in der Regel nicht mehr als 2 oder 3 Würfe im Jahr groß - eine Massenzucht werden sie bei uns nicht finden. Jeder Wurf wird sorgfältig geplant und liebevoll aufgezogen. Erstzüchter müssen ein Züchterseminar besuchen, um entsprechend vorbereitet zu werden.
Abkehr von Reinrassigkeitsfanatismus, "Schönheitszucht" und Inzucht-Praktiken
Seit einigen Jahrzehnten ist die Rassehundezucht von Reinrassigkeitsfanatismus, "Schönheitszucht" und Inzucht-Praktiken geprägt. Dieser Trend ist erst seit Entstehung der Hundeshows zu verzeichnen. Dabei ist es völlig irrsinnig, Hunde rein nach dem Äußeren zu beurteilen und zum Großteil darauf ganze Zuchtstrategien auszurichten. Solche Show-Champions sind für den Züchter/Besitzer aus finanzieller Sicht sehr lukrativ. Manche "Champion-Rüden" decken jährlich 90 Hündinnen - gut für die Kasse, schlecht für die Rasse! Hinter diesem ganzen Ausstellungs-Hype steckt eine Menge Geld: die Hundeshows stellen in vielen Vereinen die Haupteinnahmequellen dar - in großen Vereinen ist es ein Millionengeschäft. Insofern ist es nicht mehr verwunderlich, dass viele Züchter & Zuchtvereine nicht zu einer Neuorientierung bereit sind.
Rassestandards
Rassestandards beschreiben hauptsächlich das äußere Erscheinungsbild einer bestimmten Rasse - prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden.
Inakzeptabel wird es dann, wenn der Standard bei der Zucht eine wichtigere Rolle einnimmt als die Gesundheit und das Wesen - leider ist dies in der herkömmlichen ausstellungsorientierten Rassehundezucht zu häufig der Fall. So ist es keine Seltenheit, dass ein kerngesunder Hund mit einem Fleck an der "falschen" Stelle eine Zuchtsperre bekommt und gleichzeitig der "Schönheits-Champion" mit einer C-Hüfte munter decken darf.
Zur Tierquälerei wird es dann, wenn der Rassestandard Beschreibungen enthält, die das Wohlbefinden beeinträchtigen und Leid oder Schmerz verursachen. Hier einige Beispiele:
| Rasse | Rassestandard | Probleme |
| Dalmatiner | weißes Fell mit Tupfen (Punkten) | Nach einer amerikanischen Studie sind 30% der getupften Dalmatiner taub. Obwohl Dalmatiner mit Platten weitaus seltener hörbehindert sind, werden sie zur Zucht nicht zugelassen, da sie dem Schönheitsideal nicht entsprechen. |
| Rhodesian Ridgeback | Rückenkamm (Ridge) | Der Ridge stellt eine milde Form von Spina Bifida (offener Rücken) dar. Es kann zu schwerwiegenden Infektionen kommen. Hunde mit fehlendem Rückenkamm sind von der Zucht ausgeschlossen - obwohl diese nachweislich gesünder sind. |
| Bulldogge, Mops, Pekingese & Co. | runder Kopf, kurze Nase | Hohe Rate von Kaiserschnittentbindungen, Wasserkopf, Atembeschwerden bis Atemnot, Störung der Thermoregulation, Prädisposition für traumatische Augenerkrankungen, Schluckbeschwerden, 2-3 Jahre kürzere Lebenserwartung. |
| Nackthund | Haarlosigkeit | Das Tierschutzgesetz spricht von einer „haarlosen Defektmutante“. Probleme: schwerwiegende Gebissanomalien und Immunschwächen, sehr empfindliche Haut (Sonnenbrand, Verletzungen, Fliegenbefall im Sommer, Allergien) und klimatische Adaptationsstörungen. Für das Nacktgen reinerbige Tiere sind nicht lebensfähig. |
Einige Zuchtziele sind aus tierschützerischer Sicht als qualzuchtrelevant einzustufen und stellen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. Das Gutachten zur Auslegung des Tierschutzgesetzes (Qualzucht), welches im Auftrag des Bundes erstellt wurde, macht zu krankmachenden Zuchtzielen klare Aussagen, denen wir uns anschließen.
In Bezug auf die oben genannten Beispiele müssten gemäß der Devise "Gesundheit vor Aussehen" insbesondere Dalmatiner mit Plattenzeichnung, Rhodesian "Ridgebacks" ohne Rückenkamm, gut proportionierte Hunde (Nase, Beinlänge...) usw. in der Zucht eingesetzt werden. Artgemäßheit sollte dabei oberste Priorität haben. So hat auch Haarlosigkeit nichts mehr mit Artgemäßheit zu tun - wir sprechen uns daher gegen die Zucht von Nackthunden aus.
Unser Fazit: Rassestandards ja - solange diese nicht zu eng geschnürt sind, nicht überbewertet werden und nicht die Gesundheit, Fitness & Funktionalität negativ beeinflussen.
Besonders geeignete Zuchtmethoden:
Anmerkung: wünschenswerter Nebeneffekt
Die Pro-Cross-Zuchtmethoden haben eindeutige Vorteile in Bezug auf die gesundheitliche und genetische Situation! Letztlich ist auch zu hoffen, dass dieses Zuchtkonzept früher später sekundäre Effekte auf die herkömmliche Rassehundezucht haben wird. Diese wird zurecht immer wieder von Wissenschaftlern, Kynologen und Tierschützern kritisiert: spätestens seit der BBC-Reportage Pedigree Dogs Exposed (Rassehund entlarvt) ist es kein Geheimnis mehr, dass in der Rassehundezucht oftmals zu viel Inzucht betrieben und viel zu wenig auf die Gesundheit geachtet wird. Im Gegenteil: Da die Rassehundezucht stark ausstellungsorientiert ist, wird durch Inzucht-Praktiken häufig versucht, anatomische Merkmale zu festigen (Championzucht), bis hin zur krankhaften Übertypisierung und Qualzucht.
Bei vielen Rassen lässt sich auch gar keine Inzucht vermeiden, da der Inzuchtpegel in der Gesamtpopulation bereits viel zu hoch ist. Bei einigen Rassen sind die Hunde untereinander bereits so verwandt wie Vollgeschwister! Insbesondere in diesen Fällen wäre eine „Blutauffrischung“ (Veredelungskreuzung / Einkreuzung einer Fremdrasse mit anschließender Rückzüchtung) angebracht – diese sinnvolle Zuchtmaßnahme wird aufgrund eines vorherrschenden „Reinrassigkeitsfanatismus“ jedoch fast nie angewandt. Reinzucht und uneingeschränkter Typ-Erhalt werden auch hier leider vor die Gesundheit gestellt.