Verhaltens- und
Rasseeigenschaftsprüfung
Die FCI erkennt derzeit
über 330 Hunderassen an. Zwischen den Rassen selbst gibt es mehr
oder weniger starke Unterschiede – sowohl im Aussehen als auch im
Verhalten.
Dabei sind es
rassetypisches Aussehen und rassetypische Eigenschaften, welche
eine bestimmte Rasse für ihren Besitzerkreis so liebenswert
machen. Damit das so bleibt, sollte es ein Ziel des Züchters und
des Zuchtvereins sein, den speziellen Rassetyp, das rassetypische
Wesen und die rassetypischen (Arbeits-) Eigenschaften ihrer
betreuten Rasse zu erhalten. Der TCD hat diese Ziele in seinen
Ordnungen verankert!
In unterschiedlichsten
Testverfahren werden in einigen Hundevereinen die rassetypischen
Arbeitseigenschaften abgefragt, wobei die Auslegung mal mehr oder
weniger auf die „natürliche Veranlagung“ des Hundes, bzw. das
Können des Ausbilders, ausgerichtet ist.
In einer älteren Studie
der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde bei
Vorstehhunden die Heritabilität (Erblichkeit) von
Prüfungsergebnissen untersucht. Herangezogen wurde die sog.
„Frühjahrsprüfung“ (einer Art Anlageprüfung) und eine
„Herbstprüfung“ (welche erst nach entsprechender Ausbildung
abgelegt werden kann). Das bemerkenswerte Ergebnis dieser Studie
war, dass bei der Frühjahrsprüfung für ein und dasselbe Merkmal
deutlich höhere Heritabilitätswerte herauskamen als bei der
Herbstprüfung. Es wird deutlich, dass mit zunehmendem Einfluss der
Umwelt (spezielle Ausbildung, Konditionierung etc.), die
genetische Anlage des Hundes mehr oder weniger stark „beeinflusst“
wird.
Abgesehen von den
rassetypischen Arbeitseigenschaften, ist es unentbehrlich, dass
unsere Hunde ein an die Umwelt adaptiertes Verhalten zeigen. Auch
in diesem Bereich bemühen sich einige Hundevereine, das Verhalten
der (Zucht-) Hunde in einem Test zu überprüfen, sodass Hunde, die
negativ auffallen nicht in der Zucht eingesetzt werden. Weiterhin
gibt es verschiedene Vorgaben der Bundesländer, bei denen im
Rahmen der Gefahrhundegesetzgebung Hunde begutachtet werden.
Im VDH gibt es eine „AG
Verhaltensüberprüfung“, die sich meinen Informationen nach aktuell
mit der Ausarbeitung einer Verhaltensüberprüfung auseinandersetzt
– dieses Vorhaben ist sicher zu begrüßen! Wenn eine solche
Prüfungsordnung ausgearbeitet ist, kann diese von den
Mitgliedsvereinen übernommen und ggf. im individuellen Fall
abgeändert - bzw. ergänzt- werden, um den rassespezifischen
Besonderheiten angepasst zu sein (vor allem unter dem Aspekt der
rassetypischen Arbeitseigenschaften).
Anmerkung: zur
"Verhaltens- und Rasseeigenschaftsprüfung" schrieb die
Fachtierärztin Dr. Barbara Schöning im Mailaustausch folgendes:
„Derartige Überprüfungen als Grundlage für die Zucht sind immer
sinnvoll.“
Dr. Feddersen-Petersen
(2001) schreibt in ihrem Buch „Hunde und ihre Menschen“: „Ich
plädiere für eine wesentlich stärkere Bewertung des Verhaltens von
Rassehunden bei deren Zuchtauswahl, um der Verbreitung angeborener
Verhaltensstörungen entgegenzuwirken (…). Besondere Aufmerksamkeit
ist dabei dem gesamten Komplex des Sozialverhaltens speziell im
Zusammenleben mit dem Menschen in dessen mehr oder weniger
ausgeprägt „reizüberflutetere“ Umwelt zu schenken (…)“.
Aus den bereits
genannten Gründen, plant unser Verein eine solche Prüfung künftig
anzubieten.
In den vergangenen
Monaten habe ich mich intensiver mit der Thematik
auseinandergesetzt und eine „Verhaltens- und
Rasseeigenschaftsprüfung“ (mit rassespezifischer Ausrichtung) und
eine dazugehörige „Richterordnung“ entworfen, wobei die Kriterien
zur Beurteilung und Bewertung des Verhaltens in den verschiedenen
Situationen noch nicht vollständig ausgearbeitet sind.
Insbesondere wegen der
„Überprüfung von rassetypischen Arbeitseigenschaften“ habe ich
mich mit folgenden Experten in Verbindung gesetzt:
-
Prof. Sheila M. Schmutz, Department
of Animal and Poultry Science, College of Agriculture and
Bioresources, University of Saskatchewan (Canada).
Hierzu noch ein interessanter Link: http://www.vhdf.org/
-
Prof. Erling Strandberg,
Institutionen för husdjursgenetik,
Uppsala (Schweden)
-
Dr. Erik Wilsson,
Department of Zoology, Stockholm University (Schweden)
Hier noch eine Liste von
interessanten und lesenswerten wissenschaftlichen Studien speziell
zu diesem Themenbereich (www.sciencedirect.com):
-
Lindberg, S., Strandberg, E.,
Swenson, L.: Genetic analysis of hunting behaviour in Swedish
Flatcoated Retrievers.
-
Schmutz S.M., Schmutz J.K.:
Heritability Estimates of behaviors associated with hunting in
dogs.
-
Svartberg, K.: Personality in dogs
-
Wilsson, E., Sundgren P.E.: Behaviour
test for eight-week old puppies – hertiabilities of tested
behaviour and its correspndence to later behaviour.
Den Entwurf zur
„Verhaltens- und Rasseeigenschaftsprüfung“ habe ich Fachtierärzten
für Verhaltenskunde und Tierschutz (Dr. B. Schöning und Experten
der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität
München), sowie Prof. Sommerfeld-Stur vorgestellt.
Unser Verein sollte nun
die Ausarbeitung und Veröffentlichung des VDH zur
„Verhaltensüberprüfung“ abwarten, zumal eine Angleichung der
Testverfahren und eine künftige Zusammenarbeit sicherlich sinnvoll
ist.
Im Folgenden meine Anmerkungen und
Erläuterungen zur Verhaltens- und Rasseeigenschaftsprüfung:
Die Verhaltens- und
Rasseeigenschaftsprüfung sollte folgende Ziele verfolgen:
1.
Die Verhaltens- und
Rasseeigenschaftsprüfung (VREP) soll als Selektionskriterium für
die Zuchtauswahl dienen und dazu beitragen, dass nur Hunde zur
Zucht verwendet werden, die sozial sicher sind, ein ungestörtes
Sozialverhalten Artgenossen und Menschen gegenüber zeigen und
weder Ausfälle einerseits noch Übersteigerungen andererseits im
Bereich bestimmter Funktionskreise aufweisen.
2.
Während einer
solchen Prüfung soll das Verhalten des Hundes gegenüber seiner
Umwelt beobachtet werden und die ökologisch notwendige
Anpassungsfähigkeit sowie die Vollständigkeit des
Verhal-tensrepertoires überprüft werden.
3.
Die
rassetypischen Verhaltensmerkmale, sowie die rassetypischen
Arbeitseigenschaften gemäß des eigentlichen Verwendungszweckes,
sollen überprüft werden. Ziel soll sein, die rassetypischen
Anlagen und Eigenschaften zu fördern und zu erhalten.
4.
Der Hundeführer
soll durch die Teilnahme an der VREP das Individualverhalten
seines Hundes in realen und alltäglichen Situationen besser kennen
und einschätzen lernen sowie sein Wissen über die im Umgang mit
Hunden wichtigen verhaltensbiologischen Kenntnisse erweitern, um
ggf. das gezeigte Verhalten seines Hundes regelnd beeinflussen zu
können. Da jede Hundeentwicklung auch das Resultat der
Wechselwirkung zwischen dem Hund und seinem Menschen darstellt,
gilt es während des gesamten Prüfungsverlaufs die
Hund-Mensch-Beziehung zu beobachten und den artgerechten Umgang
mit dem Hund zu fördern. Somit soll der verantwortungsvolle und
kundige Hundeführer gefördert und gefordert werden.
5.
Die VREP leistet
somit einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz, sowohl aus
züchterischer Sicht als auch unter dem Aspekt der Erweiterung der
Kenntnisse und Fähigkeiten des Hundehalters.
Da die VREP unter dem
Gesichtspunkt der Zuchtauswahl (bzw. der Nachzuchtkontrolle) bzgl.
der rassetypischen Arbeitseigenschaften u.a. dazu dienen soll,
möglichst die „Anlagen“ des Hundes zu „überprüfen“, soll die
Prüfung in möglichst jungem Alter abgelegt werden, da die
genetischen Anlagen des Hundes am besten beim jungen
unausgebildeten Hund zu erfassen sind, während beim älteren und
ausgebildeten Hund der Einfluss des Ausbilders bzw. Hundeführers
(allg. Umwelteinfluss) den genetischen Einfluss mehr oder weniger
stark beeinflussen kann. Es kann nicht und es soll nicht die
Aufgabe der Prüfung sein, zwischen angeborenem und erworbenem
Verhalten zu unterscheiden! (Anm.: Hierzu schreibt die
Fachtierärztin Dr. Dorothea Döring (LMU München) im Mailaustausch
folgendes: „Ich halte eine Prüfung der adulten Hunde auch für
sinnvoll (…) auch wenn man nicht zwischen Erfahrung und Anlagen
unterscheiden kann.“)
Auch im Sinne der
Erweiterung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Hundeführers ist es
empfehlenswert, die VREP mit dem jungen Hund abzulegen.
Idealerweise erfolgt die Prüfung beim 6-12 Monate alten Hund und
sollte das Alter von 18 Monaten nicht überschreiten, wobei auch
ältere Hunde zur Prüfung zugelassen werden. Wichtig ist, dass der
Hund die physische als auch psychische Reife erreicht hat, um an
der Prüfung teilnehmen zu können (z.B.: einem 3 Monate alten Hund
kann man nicht zumuten, - mehrere Minuten alleine vor einem
Geschäft angebunden zu werden / - aus schwimmtiefem Wasser auf
lange Distanz zu apportieren / - etc.).
Das beobachtbare
Hundeverhalten
Das „Wesen“ eines Hundes
ist überaus komplex, nicht einfach zu erfassen und folgt keinem
einfachen Erbgang. Es ist die Gesamtheit aller angeborenen und
erworbenen Verhaltensweisen, Eigenschaften und Fähigkeiten des
Hundes, sowie seiner augenblicklichen inneren Zustände, die sein
Verhalten zur Umwelt bestimmen.
Ein Ziel der VREP soll
sein, nur mit Hunden zu züchten, die sozial sicher sind, ein
ungestörtes Sozialverhalten Artgenossen und Menschen gegenüber
zeigen und weder Ausfälle einerseits noch Übersteigerungen
andererseits im Bereich bestimmter Funktionskreise aufweisen.
Hunde, die während der VREP Zeichen von Aggression oder extremer
Ängstlichkeit zeigen, oder in bestimmten Situationen deutlich
negativ auffallen, sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.
Die Beurteilung des
beobachtbaren Hundeverhaltens ist Gegenstand der VREP – nicht die
völlig irreale Trennung dieses Verhaltens in genetisch bedingte
und erfahrungsbedingte Anteile. Dabei gilt es, die Angepasstheit,
Anpassungsfähigkeit und die individuelle Reaktion des Hundes an
normalen Umweltgegebenheiten und natürlichen und alltäglichen
Reizen möglichst objektiv zu überprüfen. Während der VREP darf
kein Hund einem „Reizgewitter“ ausgesetzt werden – jegliche
Überprüfungen müssen in unbedrohlicher Situation mit
Realitätsbezug ablaufen. Es entspricht absolut nicht der
alltäglichen Situation, dass ein „Gespenst“ auf den Hund losrennt,
im nächsten Moment Blechdosen neben den Hund geworfen werden, dann
eine Menschengruppe den Hund „einzingelt“ & bedrängt und im
Anschluss daran ein „Betrunkener“ den Hund anschreit und anrempelt
usw., usw. Eine solche „Stress-Belastungs-Straße“ mit
unterschiedlichsten unrealistischen optischen, visuellen,
auditiven und sozialen Stimuli sollte nicht Inhalt und Ablauf
einer Verhaltensprüfung sein.
Rassetypische
Arbeitseigenschaften (wie bereits erwähnt, ist die Ausführung
auf den Toller ausgerichtet): Es sollten nur rassetypische
Arbeitseigenschaften geprüft werden, die im Zusammenhang mit dem
eigentlichen Verwendungszweck und den typischen Rasseeigenschaften
stehen. Für dessen Überprüfung wird ganz bewusst nicht ein
bestimmter Ausbildungsstand (spezieller Ausbildungsstand in der
Dummyarbeit; gerader Vorsitz etc.) zur Teilnahme vorausgesetzt. Im
Gegenteil: Es soll insbesondere dem untrainierten Hund möglich
sein an einer VREP teilzunehmen (Grundgehorsam sollte jeder Hund
zeigen der älter als 6 Monate ist).
Allgemeines zur
gesamten Prüfung: Abzulehnen und auch nicht der Konzeption der
VREP entsprechend ist eine gezielte Vorbereitung auf die Prüfung.
Empfehlenswert und weitaus sinnvoller ist es, dem Hund ein
abwechselungsreiches Leben mit vielen Möglichkeiten zur sozialen
Kontaktaufnahme zu bieten, denn das benötigt er zur normalen
Entwicklung. Weiterhin soll der Hund in einer harmonischen
Hund-Mensch-Beziehung gemäß seiner individuellen Bedürfnisse und
Neigungen beschäftigt werden, wobei darauf zu achten ist, dass der
Hund weder unter- noch überfordert wird.
Prüfungsinhalte
Zu Beginn der VREP
sollte der Hundehalter zu folgenden Punkten befragt werden:
·
Alter des Hundes
·
Vorerfahrungen
des Hundeführers (Ersthund oder bereits hundeerfahren; gelesene
kynologische Literatur etc.)
·
Haltungsbedingungen (Unterbringung; Zeitaufwand/ Tag; Einzel- oder
Rudelhaltung; Bezugsperson und weitere Personen, die in näherem
Kontakt mit dem Hund stehen, bzw. im Haushalt leben; Kontakt zu
Kindern)
·
Kontakt zu
Artgenossen
·
Ausbildungsstand
und Beschäftigung des Hundes
·
Verhalten des
Hundes ggü. seiner Umwelt (innerhalb der Familie; während den
Spaziergängen; Kontrollierbarkeit in bestimmten Situationen etc.)
·
Beschreibung
o
der Entwicklung
des Hundes vom Welpenalter bis zum aktuellen Zeitpunkt
(Veränderung des Verhaltens im Laufe der Entwicklung; Läufigkeit
etc.)
o
besonderer
Erlebnisse in der Vergangenheit des Hundes (im Welpenalter von
anderem Hund gebissen; Krankheiten; Operationen etc.)
·
Angestrebte Ziele
(Zuchthund; Ausbildung in bestimmtem Bereich etc.)
Im Folgenden beschreibe
ich die Grobgliederung einer solchen Überprüfung:
Die VREP sollte grob in
2 praktische Prüfungsteile untergliedert sein, wobei die Prüfung
so aufgebaut sein soll, dass am Ende eine Gesamtbeurteilung
bezogen auf die zu prüfenden Verhaltensweisen und Reaktionen des
Hundes möglich ist:
Erster Teil: Überprüfung
und Beobachtung des allgemeinen Verhaltens in alltäglichen
Situationen.
Zweiter Teil:
Überprüfung und Beobachtung der rassetypischen
Arbeitseigenschaften.
Zum ersten Teil:
·
Teil A: Die
Überprüfung findet vorzugsweise in einer Stadt (z.B.
Fußgängerzone) oder in einem Park statt. Wichtig ist, dass das
hundliche Verhalten gegenüber mehreren Menschen und weiteren
Umweltreizen beobachtet werden kann.
·
Teil B: Die
Überprüfung findet in freiem Gelände (Wald, Feld) statt, ähnlich
wie bei den täglichen Spaziergängen. Das hundliche Verhalten
gegenüber seiner Umwelt wird beobachtet.
Zum
zweiten Teil:
·
Die Überprüfung
findet im freien Gelände statt. Hier wird nicht nur das hundliche
Verhalten allgemein beobachtet, sondern es werden auch die
gewünschten rassetypischen Arbeitseigenschaften überprüft.
Ausblick
Wie bereits erwähnt,
sollten wir aus den benannten Gründen vorerst die weitere
Entwicklung der VDH-Verhaltensüberprüfung abwarten. Vor allem die
Beurteilungskriterien und Bewertungsmaßstäbe (diese entscheiden
über ein „bestanden“ oder „nicht bestanden“) sollten im Idealfall
mit einem Ethologen ausgearbeitet werden. Dr. B. Schöning schrieb
im Mailaustausch: „Ich will (…) darauf hinweisen, dass Ihre
eigenen Bemerkungen zum Schluss Ihrer Mail schon richtig waren
.... Verhaltenstests sind eine wichtige aber auch eine vertrackte
Sache und man kann ganz schnell Probleme damit verursachen.“
Ähnliches schreibt
Feddersen-Petersen (2001) im bereits erwähnten Buch, in dem sie
eine „kritische Überprüfung von Wesensprüfungen nach dem Standard
des Deutschen Retriever Clubs (DRC)“ durchführt. Ich möchte die
Kieler Ethologin zitieren: „Eine gemeinsame Wesensüberprüfung der
beiden Retrieverrassen (Labrador und Golden Retriever) wirkt sich
unter Umständen ungünstig auf die Beurteilung der Golden Retriever
aus. (…) Die Testbögen sollten völlig neu konzipiert werden, da
die Beurteilungsmöglichkeiten für die jeweilige Testabschnitte
subjektiv, biologisch unsinnig und insgesamt viel zu grob sind,
und damit den zu beurteilenden Hunden niemals gerecht werden
können. (…) Die auf dem Prüfungsbogen des DRC angegebenen
Ausschlussgründen dagegen sind wiederum recht
>>nebulös<<,
und sie ergeben sich nicht logisch aus den vorangegangenen Tests.
(…) Man sollte darüber nachdenken, was der Test eigentlich
>>fasst<<
- die >>Wesensveranlagung
in friedlicher Situation<<
wohl kaum.“
Feddersen-Petersen
spricht sich jedoch nicht gegen Verhaltensüberprüfungen aus – im
Gegenteil: „Nach all dieser bitte konstruktiv zu verstehenden
Kritik möchte ich nochmals betonen, daß hier keineswegs gegen
Wesenstests oder Verhaltensüberprüfungen geschrieben wird, daß sie
ganz im Gegenteil, für unbedingt notwendig erachtet werden – und
zwar für alle Rassen. (…) Jedoch sollten Testverfahren, die nach
heutigem Wissensstand überholt sind und auf ihr erklärtes Ziel hin
unbedingt überdacht werden müssten, auch nicht wie
>>festgefügte Gebote<<
betrachtet werden – aus welchen Gründen auch immer. Hier
sollten andere Gründe im Vordergrund stehen als etwa die
menschliche Eitelkeit.“
Genau aus diesen Gründen
hat sich der TCD e.V. als moderner, offener und kynologisch
versierter Toller-Spezialverein auf die Flagge geschrieben, mit
Experten und Fachtierärzten zusammen zu arbeiten!
Genau aus diesen Gründen
steht in § 1 Abs. 5 unserer Zuchtordnung: „Die gesundheits- und
rasseentwicklungsrelevanten Bestimmungen dieser Zuchtordnung
dürfen nur dann abgeändert werden, wenn dies im Sinne der
Kynologie ist und von einschlägigen Experten (Tierärzten)
empfohlen werden kann.“
Und genau aus diesen
Gründen erachte ich eine sorgfältige und fundierte komplette
Ausarbeitung einer Verhaltens- und Rasseeigenschaftsprüfung (sowie
aller weiteren für die Entwicklung unserer Rasse dienlichen
Ordnungen, Prüfungen, Maßnahmen & Empfehlungen) für unumgänglich!
Generell muss sich jede
Prüfung / Ordnung in der Praxis beweisen und bewähren.
In der Zukunft ist auch
sicher eine populationsgenetische Auswertung interessant. Somit
könnten beispielsweise anhand der Ergebnisse der Verhaltens- und
Rasseeigenschaftsprüfung Heritabilitätswerte erhoben werden. Diese
könnten wiederum Aufschluss über eine züchterische
Selektionsentscheidung geben. Auf meine Frage an Prof.
Sommerfeld-Stur, ob es „Interessenten“ für eine wissenschaftliche
Studie in diesem Bereich gäbe, antwortete sie: „Die gäbe es
sicher. So etwas wäre durchaus z.B. eine schöne Diplomarbeit, die
ich mir z.B. auch in meinem Bereich vorstellen könnte.“
Soweit der Ausblick…
aber zuerst muss eine solche Prüfungsordnung komplett
ausgearbeitet werden, danach auf einer Mitgliederversammlung
verabschiedet werden und sich schließlich in der Praxis bewähren.
An der Notwendigkeit einer solchen Prüfung (sofern sie den
Kriterien entspricht) gibt es keine Zweifel.
Unser Verein plant ab
2009 alle Rahmenbedingungen (Prüfungsordnung, ausgebildete Richter
etc.) zu schaffen, um schließlich regelmäßig eine solche Prüfung
anzubieten.
Empfehlenswerte
Literatur zu diesem Themenbereich:
o
Bloch, G. (2004): Der
Wolf im Hundepelz. Kosmos Verlag.
o
Boenigk, K.D.(2004):
Untersuchungen zur züchterischen Aussagekraft von Verhaltenstests
bei Hovawart Hunden.
o
Breuer, U., Schaal,
M.(2006): Hundeverhalten erkennen und verstehen. Müller Rüschlikon
Verlag.
o
Feddersen-Petersen, D.U.
(2001): Hunde und ihre Menschen – Sozialverhalten,
Verhaltensentwicklung und Hund-Mensch-Beziehung als Grundlage von
Wesenstests. Kosmos Verlag.
o
Feddersen-Petersen, D.U.
(2004): Hundepsychologie – Sozialverhalten und Wesen, Emotionen
und Individualität. Kosmos Verlag.
o
Gansloßer, U. (2007):
Verhaltensbiologie für Hundehalter – Verhaltensweisen aus dem
Tierreich verstehen und auf den Hund beziehen.
Kosmos Verlag.
o
Lindberg,
S., Strandberg, E., Swenson, L. (2004): Genetic analysis of
hunting behaviour in Swedish Flatcoated Retrievers.
o
Nitzl, D. (2002):
Statistische Auswertung der Wesenstestergebnisse von drei
Retrieverrassen.
o
Verena Ommerli (2007).
Dummy-Arbeit mit Retrievern. Grundkurs. Müller Rüschlikon Verlag.
o
Schmutz,
S.M., Schmutz J.K. (1998): Heritability Estimates of behaviors
associated with hunting in dogs.
o
Schöning,
B. (2006): Evaluation and prediction of agonistic behaviour in the
domestic dog.
o
Svartberg,
K. (2003): Personality in dogs
o
Zvolsky, N. (2007): Die
Kosmos-Retrieverschule. Grunderziehung und Dummytraining. Kosmos
Verlag.
o
Zvolsky, N. (2002):
Retrieverschule für Welpen Kosmos Verlag.
o
Wachtel, H. (2002): Das
Buch vom Hund. Die Symbiose zwischen Hund und Mensch.
Cadmos Verlag.
o
Wilsson,
E., Sundgren P.E. (1997): Behaviour test for eight-week old
puppies – hertiabilities of tested behaviour and its correspndence
to later behaviour.
(veröffentlicht in der
Clubzeitschrift "Unser Toller" / TCD, Ausgabe 01/08)